Digitaler Produktpass – Wie du dein E-Commerce vorbereitest
6. August 2026
Der digitale Produktpass oder digital product pass (DPP) wird in den kommenden vier Jahren für europäische Unternehmen, die Waren verkaufen, zu einem wichtigen Thema. Ziel des Passes ist es Produkte transparenter zu machen: Informationen über Herkunft, Materialien, Reparaturmöglichkeiten und Recycling sollen jederzeit digital abrufbar sein.
Doch was genau ist der digitale Produktpass und welche Anforderungen kommen auf dich als E-Shop Besitzer oder Besitzerin zu?
In diesem Artikel erfährst du:
- was der DPP macht,
- welche Produkte betroffen und was davon für den weltweiten Handel zu erwarten ist,
- und wie du dich auf den DPP vorbereiten kannst.
Was ist der digitale Produktpass?
Der Digitale Produktpass (DPP) ist eine Maßnahme des Europäischen Green Deals, die von 2027 bis 2030 schrittweise eingeführt wird. Er ist so etwas wie ein digitaler Steckbrief für Produkte der Informationen über den gesamten Produktlebenszyklus von der Herstellung bis zur Wiederverwertbarkeit beinhaltet. Diese Informationen sollen über einen QR –Code oder ebenfalls als scannbaren Chip bzw. NFC-Tag einfach für jeden abrufbar sein.
Für Kunden, Händler als auch Behörden soll damit folgendes klar werden:
- Woraus ein Produkt besteht (Materialien, Inhaltsstoffe, Bauteile).
- Woher es kommt und wie es hergestellt wurde.
- Wie es verpackt ist.
- Wie nachhaltig es ist.
- Ob und wie es repariert werden kann.
- Welche Ersatzteile verfügbar sind.
- Wie es recycelt oder entsorgt werden soll.
Was beinhaltet der digitale Produktpass?
Voraussichtlich bis 2030 sollen bestimmte physische Güter, wie elektronische Geräte, Textilien, Möbel und Fahrzeugreifen den Pass bekommen. Je nach Produktgruppe werden folgende Produktdaten enthalten sein:
- Produktidentifikation (z. B. Seriennummer, Global Trade Item Number oder GTIN)
- Material- und Inhaltsstoffe
- Herkunft und Lieferkette
- CO₂-Fußabdruck
- Energieverbrauch
- Reparierbarkeit & Ersatzteile
- Recyclingfähigkeit
- Gebrauchsanweisungen & Sicherheitsdatenblätter
- Zertifizierungen & Konformitätserklärungen
Das bedeutet, dass diese Produktdaten künftig strukturierter erfasst, gepflegt und dauerhaft bereitgestellt werden müssen.
Warum ist der digitale Produktpass wichtig?
Der digitale Pass soll mehr Klarheit darüber schaffen, wie Produkte hergestellt werden, und welche Auswirkungen sie langfristig auf die Umwelt haben. Weiterhin soll ersichtlich sein, wie lange die Produkte genutzt und wie sie recycelt werden können.
Kreislaufwirtschaft
- Verbraucher können durch die ausführlicheren Informationen eine bessere Kaufentscheidung treffen und sich bewusst für nachhaltigere Produkte entscheiden.
- Unternehmen können ressourcenschonend handeln, indem sie z.B. nur Produkte verkaufen, die lokal produziert wurden und sich 100% recyceln lassen.
- Gesetzliche Anforderungen werden durch den DPP besser erfüllt. Greenwashing wird somit schwieriger.
- Firmen bleiben auf dem EU-Markt wettbewerbsfähig.
Müllvermeidung
Mit den Informationen zur Nutzung und Recycling unterstützt der Pass auch die bessere Umsetzung für das EU-weite Verbot nicht verkaufte Ware zu vernichten. Dies gilt speziell für Bekleidung und Textilien.
Produktsicherheit
Mit dem DPP wird ebenfalls Produktsicherheit gewährleistet, da die Ermittlung von potenziell gefährlichen Inhaltsstoffen erfassbarer wird. Weiterhin trägt die konkret festgelegte Lebensdauer von Produkten, speziell elektronische Geräte ebenfalls zur sicheren Verwendung und Entsorgung bei.
Effizienz
Ein Nebeneffekt des DPP ist, dass durch ihn Unternehmen den Produktlebenszyklus gründlicher analysieren und hierbei betriebliche Ineffizienzen aufdecken können. Sie produzieren umweltschonender und optimieren Lieferketten.
Welche Produkte müssen einen digitalen Produktpass haben?
Ab 2027 wird der Digitale Produktpass in der EU schrittweise verpflichtend – allerdings nicht für alle Produkte gleichzeitig. Betroffen sind zunächst bestimmte Produktgruppen, die unter die neue EU-Ökodesign-Verordnung fallen.
Hierzu gehören folgende Gruppen:
- Batterien für Kleinfahrzeuge <2kWh und Industriebatterien >2kWh
- Schuhe & Textilien (inkl. Teppiche)
- Elektronik (Smartphones, Haushaltsgeräte, Computer)
- Möbel (inkl. Matratzen)
- Grundstoffe (Eisen, Stahl, Aluminium)
- Fahrzeugkomponenten (Bsp. Reifen, Autobatterien, elektronische Komponenten)

Zeitplan für die Einführung des digitalen Produktpasses
Produkte, die keinen digitalen Produktpass brauchen, sind:
- Lebens- und Futtermittel
- Arzneimittel (für Mensch und Tier)
- Lebende Pflanzen und Tiere
- Mikroorganismen
- Erzeugnisse menschlichen Ursprungs (z. B. Blut, Organe)
- Fahrzeuge, da diese bereits gesetzlich geregelt sind.
- Produkte für Sicherheit und Verteidigung (sofern sie keinen doppelten Verwendungszweck haben)
Solltest du Selbstgemachtes online verkaufen, findest du weitere Tipps in diesem Webnode Blog Beitrag.
Internationale Auswirkungen des DPP
Der digitale Produktpass macht Produktinformationen weltweit vergleichbarer. Er zwingt Händler dazu, Daten entlang der gesamten Lieferkette konsistent zu managen, egal ob im Import oder Export. Dies wirkt sich auch außerhalb der europäischen Union aus.
Unternehmen mit internationalen Partnern müssen durch den DPP:
- enger mit globalen Lieferanten zusammenarbeiten,
- Datenqualität und Datenverfügbarkeit sicherstellen,
- und ihre Systeme entsprechend vorbereiten.
Wenn du Produkte aus der EU ins Ausland lieferst oder liefern lässt, wirkt der DPP indirekt:
- Produktdaten müssen vollständig erfasst sein (z. B. Materialien, Herkunft, CO₂-Daten).
- Internationale Geschäftspartner erwarten, dass diese Informationen präsent sind, selbst wenn in ihrem Land keine DPP-Pflicht besteht.
- Große Handelspartner und Plattformen könnten DPP-Daten als Standard-Nachweis für Nachhaltigkeit und Compliance verlangen.
Wenn du Produkte aus nicht EU-Ländern importierst:
- Sobald ein Produkt in den EU-Markt gelangt, müssen die Anforderungen des DPP erfüllt sein.
- Diejenigen, die Produkte importieren, sind dafür verantwortlich, dass alle relevanten Produktdaten vorliegen – auch wenn der Hersteller außerhalb der EU sitzt.
Das kann bedeuten, dass du Daten aktiv bei Lieferanten einfordern und Systeme zur Datenaufbereitung einsetzen musst.
Solltest du darüber nachdenken, deine Produkte online zu verkaufen, probiere Webnodes E-Commerce aus.
Wie kannst du dich als Unternehmen auf den DPP vorbereiten?
Solltest du selbst produzieren oder deine eigene Marke verkaufen, dann bereite dich darauf vor, dass du zukünftig mehr Zeit in die Verwaltung deiner Produkte stecken wirst. Die zusätzlichen Produktinformationen müssen in einem Produktinformationsmanagement System dokumentiert werden.
Diejenigen die ihrem Onlineshop Produkte anderer verkaufen, müssen nicht selbst alle Daten erheben. In vielen Fällen werden Hersteller oder Importeure Informationen für den DPP liefern.
Händler müssen aber sicherstellen, dass diese Informationen weitergegeben und korrekt dargestellt werden. Bereite dich vor, indem du schon heute Produkte von Produktgruppen, die vom DPP betroffen sein werden, markierst und:
- von Herstellern Nachhaltigkeits- und Materialdaten einforderst.
- Produktdaten aufnimmst und zentral pflegst, wie Produktdatenmanagement, Lagerung und Logistik.
Tipp: Produktinformationsmanagement (PIM) Software wie deinPIM oder PimCore bieten kostenlose Demo-Versionen an.
Das solltest du in deinem E-Shop tun
Als Händler oder Händlerin bist du verpflichtet Informationen des digitalen Produktpass für deine Kunden vor dem Kauf zugänglich zu machen.
Dies solltest du auf deinen Produktseiten in der Produktbeschreibung tun:
- Vor dem Verkauf prüfen, ob der DPP abrufbar ist.
- Die Produktseiten leicht zugänglich im E-Shop machen.
- Den Produktpass (also den QR-Code) in deine Produktbeschreibung einbetten, bzw. Informationen hierzu direkt auf einer verlinkten Unterseite mit integrieren.
- Sollte der DDP als NFC-Tag verfügbar sein, zusätzliche Infos in die Produktbeschreibung mit einbauen.
- Produkte dokumentieren, damit du nachweisen kannst, dass du nur Produkte mit gültigem DPP verkaufst.
Übrigens gibt es, was den digitalen Produktpass betrifft, keine Ausnahmeregelung für Kleinunternehmen: Alle Händler sind betroffen.
Plugins kannst du mit Webnodes Websitebuilder einfach als HTML-Code einbetten. Erweiterte Bearbeitung der HTML-Codes sind mit dem Premium Paketen Standard, Profi und Business möglich.
Wie erstelle ich einen DPP?
Als Onlinehändler erstellst du den DPP selbst nicht, musst aber sicherstellen, dass Produktinformationen korrekt, vollständig und im vorgesehenen Format verfügbar sind. Hierfür benötigst du die Software den QR Code zu lesen und dessen Daten zu dokumentieren.
Die Firma GS1 bietet eine Vorschau des Passes für Produkte, wie zum Beispiel für Waschpulver.
Solltest du den QR-Code doch selbst erstellen müssen, so hilft dir Software wie Simpl die Daten richtig darzustellen, zu speichern und zu bearbeiten.
Auch wenn der digitale Produktpass erst ab 2027 kommen wird, ist es für Online-Shop Besitzer jetzt schon wichtig zu wissen, was der Pass beinhaltet. Am besten kannst du dich mit einer ausführlichen Produktbeschreibung und dem scannbaren QR-Code der auf deinen Produktseiten hierfür vorbereiten.
FAQS
Nein, der digitale Produktpass gilt für physische Güter und wird schrittweise eingeführt. Dieser gilt zunächst nur für bestimmte Produktgruppen wie Batterien, Textilien und Elektronik.
Ja, es gibt keine KMU-Ausnahmeregelung.
Die Einführung erfolgt abhängig von der Produktkategorie. Für Batterien wird dieser im Februar 2027 eingeführt. Die betrifft Industriebatterien und Batterien von Fahrzeugen wie E-Bikes, Scooter und Autos.
Nein, Hersteller und Lieferanten erstellen den Produktpass. Dieser wird als QR-Code direkt auf dem Produkt, der Produktverpackung und Beschreibung bereitgestellt. Er kann ebenfalls als NFC-Tag auf dem Produkt angebracht sein. In diesem Fall sollen Mobiletelefone den Chip ebenfalls scannen und lesen können.
Der Produktpass geht über den Lebenszyklus eines Produktes hinaus. Produktdaten müssen in der Regel noch 10 Jahre nach Entsorgung des Produktes rückverfolgbar sein.
Wenn Herstellerinformationen zu bestimmten Produkten fehlen, kann dies zur Abmahnung führen.
Teilweise: Prizipiell sollen Behörden und Shops prüfen, ob ein Produkt zu den hinterlegten Daten passt oder ob diese stimmig sind. Doch im Gegensatz zur Nahkommunikation der NFC-Tags können QR-Codes manipuliert oder kopiert werden.

Dorothea Eue ist eine kreative Person mit wissenschaftlichem und marketingtechnischem Hintergrund, die nicht vor dem Sprung ins kalte Wasser zurückschreckt und keine Seite lange leer lässt. Mit ihrem juristischen Blick und ausgeprägten Recherchefähigkeiten macht sie Komplexes und Kompliziertes verständlich. Seit fünf Jahren schreibt sie Texte auf Deutsch und Englisch und schätzt die Vielfalt bei der Erstellung von Infografiken, Tutorials, Blog-Beiträgen und Social-Media-Posts. Wenn sie nicht gerade tippt, wandert sie oder spornt sich mit Trailrunning zu weiteren Aktivitäten an.